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Reisen

-Tunesien adieu!

 

09. März 2025

Noch immer befinden wir uns in der Bergoase in Mides. Gestern, als wir von unserer Erkundungstour zurückkamen, stellten wir fest, dass wir nicht mehr allein auf dem Platz sind – ein Schweizer Paar hat ebenfalls den Weg hierher gefunden. Wir kamen schnell ins Gespräch, und schnell wurde klar, dass wir uns auf Anhieb verstehen.

Nicole und Beat, so heissen die beiden, wollen heute weiterziehen. Doch bevor es so weit ist, sitzen wir nochmals gemütlich zusammen und tauschen Reiseerlebnisse aus und vor allem unsere Kontaktdaten, denn eins ist klar: wir wollen auch in Zukunft in Verbindung bleiben. Schliesslich brechen die beiden auf und wir sind wieder allein – aber dankbar, so nette Menschen kennengelernt zu haben. Ein kleiner Tipp: Wer auf der Suche nach Reiseinspiration ist, wird auf ihrem YouTube Kanal bestimmt fündig! Schaut doch mal bei nibe-travel vorbei!

Und dann sehe ich von unserem Wohnmobil aus einen Oasenarbeiter hoch oben auf einer Palme sitzen. Neugierig, was er dort genau macht, eilen wir ein weiteres Mal hinunter zum Palmenhain. Doch als wir ankommen, ist er bereits im Begriff, die Palme hinabzusteigen. Zu gerne hätten wir uns mit ihm unterhalten, um mehr über seine Arbeit zu erfahren. Also laufen wir in seine Richtung, doch als wir eben vor dieser Palme stehen, ist er spurlos verschwunden. Wir kucken suchend in die Höhe, doch von ihm fehlt jede Spur. Vielleicht hat ihn das Gebet gerufen – aber ganz genau wissen wir es nicht.

10. März 2025

Neue Etappe:

Von Mides nehmen wir die C201 bis nach Moulares. Dort wechseln wir auf die C122 und folgen dieser bis nach Métlaoui, wo wir auf einem Parkplatz beim 1. Eisenbahntunnel der Selja- Schlucht parken.

Koordinaten Parkplatz beim 1. Eisenbahntunnel der Selja- Schlucht:

34.3372, 8.3380

Die Selja – Schlucht steht auf dem Programm, doch bevor wir losfahren können, müssen wir erneut unser Wohnmobil vom vielen Sand befreien, denn gestern fegte ein warmer Wind über die Bergoase und dieser machte auch vor unserer guten Stube nicht halt. Also werden die Bettdecken ausgeschüttelt, Ablagen und Boden staubgewischt und auch noch Wasser gebunkert. Und dann geht es los!

Entlang der Strasse begleitet uns eine atemberaubende Blütenpracht, die so schön ist, dass wir spontan anhalten. Ich muss dieses fantastische Bild einfach mit der Kamera festhalten. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiss: Das ist erst der Anfang! Es wird noch viel besser!

Aber erst folgt noch ein kleiner Abschnitt durch das Nefta – Becken und in Metlaoui sehen wir entlang der Strasse die Förderbänder, die Phosphat transportieren und dann tauchen auch die Phosphatminen auf. Alles andere als schön – und wenn man bedenkt, dass der Phosphatabbau in Tunesien Spuren in der Landschaft und in den Körpern hinterlässt, stimmt das irgendwie traurig.

Bald erreichen wir den Parkplatz beim ersten Eisenbahntunnel der Selja – Schlucht, wo wir von einem Einheimischen empfangen werden. Nachdem wir ihn darüber informierten, dass wir die kleine «Geleise – Wanderung» unternehmen möchten, erzählt er uns, dass es in dieser Gegend erstmals seit sieben Jahren wieder geregnet habe, darum sei die Pflanzenpracht gerade besonders schön! Er bietet uns an, während unserer Wanderung auf unser Wohnmobil aufzupassen und lädt uns sogar ein, bei seiner Familie das Nachtessen einzunehmen. Das erste Angebot nehmen wir gerne an, doch das zweite lehnen wir dankend ab.

Wir laufen also durch die ersten beiden Tunnel, und es ist irgendwie ungewohnt, so neben den Geleisen zu gehen. Doch die Schlucht, die wir danach entdecken, ist einmal mehr phänomenal!

Woran ich mich diesmal jedoch kaum sattsehen kann, sind die vielen blühenden Pflanzen! Hier hast du echt das Gefühl, durch einen verwunschenen Garten zu laufen! Ein wahrer Traum!

Blühende Wüste

Noch ein paar Worte zur Bahnstrecke: Früher fuhr hier der «Red Lizard», ein Zug, der in Frankreich gebaut und Tunesien als Geschenk übergeben wurde. In den letzten Jahren wurde er vor allem für Touristenfahrten in die dahinterliegende Schlucht genutzt. Momentan ist er aber ausser Betrieb, da er in Tunis gewartet wird. Nur die Güterzüge, die das Phosphat der Abbauminen zu den Exporthäfen transportieren, fahren hier ab und zu.

Weil es heute sehr heiss ist, laufen wir bloss gute drei Kilometer und kehren dann wieder um. Und siehe da: Ein Berner Paar steht mittlerweile auch auf unserem Platz. Am Abend werden wir von ihnen sogar noch zu einem Gläschen Wein eingeladen! Und so geht wieder ein wunderschöner Tag zu Ende!

11. März 2025

Neue Etappe:

Bei Métlaoui folgen wir der P3 für circa 150 km. Dann nehmen wir die P13 nach Sbeitla, wo wir uns auf dem Hotelparkplatz (Sufetula) hinstellen.

Hotelparkplatz bei Sbeitla:

35.2447, 9.1117

Der heutige Tag verläuft anders als geplant: Wir machen uns startklar, als wir bemerken, dass sich die linke hintere Hubstütze nicht einfahren lässt – jedenfalls nicht ganz. Ein Alarm macht uns darauf aufmerksam. Wir fahren trotzdem los, mit der Absicht, das Problem auf einem asphaltierten Platz zu lösen. Wir halten bei der erstbesten Möglichkeit und schnell wird uns klar, dass wir bei der Steuerung den Stecker ziehen müssen, da sich diese anscheinend aufgehängt hat. Ich google beinahe meine Finger wund, denn in unserer «Carthago-Bibel» steht nicht, wo genau sich dieses Steuergerät befindet. Während ich nach Lösungen suche, durchkämmt Jörg systematisch das Wohnmobil auf der Suche nach dem ominösen schwarzen Kästchen. Und siehe da: Nach dem Herausnehmen der beiden Schubladen unter dem Kühlschrank findet er es! Stecker raus – warten – Stecker rein und beim Betätigen des Einfahrschalters fährt die Stütze endlich wieder ein!

Durch diesen Zwischenfall erreichen wir Sbeitla viel später als geplant, nämlich erst etwa um 16 Uhr. Es lohnt sich nicht mehr, die römischen Ruinen der Stadt Sufetula zu besuchen, denn aufgrund des Ramadans schliessen sie ohnehin früher als sonst, nämlich schon um 17 Uhr.

12. März 2025

Neue Etappe:

Bei Sbeitla folgen wir wieder der P3 bis Kairouan. Danach nehmen wir die P12 bis kurz vor Sousse, wo wir auf die A1 wechseln. Bei El Kantaoui verlassen wir die A1 und folgen der C845 Richtung Hergla. Kurz vor Hergla parken wir am Strand.

Koordinaten Parkplatz am Strand bei Hergla:

35.9817, 10.5285

Wir fahren 1,5 Kilometer zur römischen Ausgrabungsstätte Sufetula, die wir gestern nicht mehr besichtigen konnten. Doch das holen wir jetzt nach, bevor es später weiter nach Hergla geht.

Der Eintritt beträgt 8 Dinar pro Person und wie es scheint, sind wir heute die einzigen Besucher. Perfekt! So haben wir die Ruinen ganz für uns und können in Ruhe Fotos machen.

Hier in Sufetula sehen wir etwas ganz Besonderes! Anders als in Rom, wo Jupiter, Juno und Minerva in einem einzigen Tempel verehrt wurden, gibt es hier drei einzelne Tempel, die nebeneinander auf derselben Plattform stehen. Das macht das Kapitol von Sufetula einzigartig.

Wir sind begeistert!

Allzulange können wir jedoch nicht bleiben, denn unterwegs wollen wir unser Wohnmobil waschen lassen, noch ein paar Einkäufe erledigen und dann eine längere Strecke als üblich zurücklegen.

Also, weiter geht’s!

Die Landschaft wird immer grüner und je üppiger sie wird, desto stärker wird uns bewusst, dass sich unsere Tunesienreise bald dem Ende zu neigt.. Bei Hergla, wo wir jetzt stehen, sind es nur noch etwa 130 Kilometer bis nach Tunis, wo wir dann bei La Goulette die Fähre nach Palermo nehmen werden.

Aber noch ist es nicht so weit! Jetzt geniessen wir erst einmal den Strand bei Hergla!

13. März 2025

Neue Etappe:

Wir wechseln den Platz in Hergla und parken nun zentraler, direkt neben einem Restaurant.

Koordinaten des neuen Parkplatzes:

36.0223, 10.5172

Weil wir noch ein paar Besorgungen zu erledigen haben, wechseln wir den Platz in Hergla und parken nun etwas zentraler.

Diese Kleinstadt wurde uns bereits von anderen Reisenden empfohlen, die wir unterwegs angetroffen haben. Sie meinten, Hergla erinnere architektonisch an Sidi Bou Said – und genauso ist es! Die blau-weisse Architektur, die überschaubaren Gassen und die einladende Atmosphäre gefallen uns sofort! Auf unserem Spaziergang entdecke ich einen Laden mit wunderschöner Handwerkskunst. Ich kann nicht widerstehen und kaufe ein paar schöne Andenken – Körbe, die geflochten wurden aus Gras von den Bergen!

Auch bei der Moschee Sidi Bou Mendil statten wir einen Besuch ab. Gerne hätten wir uns abschliessend in eines der Cafés gesetzt und einen Kaffee getrunken, doch wegen des Ramadans sind sie um diese Zeit alle geschlossen.

Sidi Bou Mendil Moschee

14. März 2025

Neue Etappe:

Von Hergla nehmen wir die L812 bis zur Autobahn A1. Auf der A1 fahren wir bis nach Yasmin Hammamet, wo wir bei der Marina, unweit des Carthage Land, parken.

Koordinaten Marina, Yasmine Hammamet:

36.3757, 10.5473

Nach längerer Zeit stehen wir wieder einmal in einer Marina. Durch das Fenster unserer «Wohnmobil – Stube» können wir die Segelschiffe beobachten, während das sanfte Knarzen der Taue eine beruhigende Atmosphäre verbreitet.

Doch allzu lange verweilen wir nicht im Wohnmobil, denn heute ist ganz schön warm!

Also machen wir uns auf, die Umgebung zu erkunden, und entdecken entlang des Hafenbeckens einen Papagei! Sein Federkleid ist wunderschön! Kurz darauf kommt der Besitzer dieses Vögelchens auf uns zu: er wittert wohl ein Geschäft! Für einen kleinen Betrag möchte er, dass der Vogel sich auf meinen Arm setzt! Und ehe ich mich versehe, sitzt er bereits auf meinem rechten Arm, doch statt friedlich dort zu verweilen, hat das bunte Federknäuel nichts Besseres zu tun, als mir mit seinem riesigen Schnabel in den Arm zu zwicken! Ich schreie laut auf, denn das tut richtig weh! Ehrlich gesagt bin ich heilfroh, dass er den Vogel wieder zu sich nimmt und dass wir für diesen Spass auch noch zahlen müssen, finde ich alles andere als fair, schliesslich bleibt auf meinem Arm ein blauer Flecken zurück! Aber was solls!

Danach geht es weiter in die Medina. Sie ist zwar schön, aber wirkt auf uns durch und durch touristisch und nicht wirklich «echt» tunesisch. Anschliessend besuchen wir ein Warenhaus – und hier folgt der schönste Abschnitt des Tages! Geld ausgeben ist angesagt! Wir haben noch einige Dinar übrig, die wir loswerden müssen, denn Dinar darf man ja nicht ausführen. Und das macht richtig Spass! Für Jörg gibt es eine Jeans und einen Sweater, für mich eine 7/8- Jeans. Unser Berater im Laden ist ein echter Profi. Als ich ihm sage, dass die Jeans Jörg oben perfekt passen würde, aber leider unten etwas zu lang sind, winkt er ab und sagt: «Kein Problem, in einer Stunde ist die Hose gekürzt!» Ja was will man mehr! So gönnen wir uns in der Zwischenzeit ein feines Bananenfrappé und gehen danach nochmals im Kleiderladen vorbei.

15. März 2025

Neue Etappe:

Bei Yasmine Hammamed fahren wir auf die A1 bis nach Tunis, wo wir auf die R23 wechseln und dieser folgen bis zum Fährhafen in La Goulette.

Heute Morgen erhielten wir eine WhatsApp – Nachricht von der GNV mit der Mitteilung, dass das Check-in bereits um 16 Uhr und nicht erst um 20 Uhr beginne. Also stehen wir nun kurz vor 16 Uhr am Fährhafen, und Jörg ist sofort losgegangen, um das Check-in zu erledigen.

Wir haben beschlossen, dass ich im Wohnmobil sitzen bleibe- sicher ist sicher, damit sich kein blinder Passagier einschleicht. Angeblich soll das hier nämlich gar nicht so selten vorkommen!

Jörg kommt gerade zurück. Unser Ticket wurde nach der Überprüfung unseres Fahrzeugs abgestempelt und er hat die nötigen Dokumente erhalten: Bordkarten für uns beide, die Fahrzeugbordkarte sowie einen grünen Aufkleber mit unserer Ziel – Destination. Nun können wir bis zum Tor Nr. 13 vorfahren, wo wir etwa 2 Stunden warten müssen, bis es sich öffnet und das Ausreiseprozedere weitergeht.

Schön wäre es gewesen, wenn es bloss zwei Stunden gedauert hätte! Tatsächlich können wir erst um 04.00 Uhr morgens auf die Fähre fahren. Wir sind so hundemüde, dass wir direkt unsere Kabine aufsuchen und in die Betten plumpsen.

16. März 2025

Wie kann man mit vier Stunden Verspätung eine Stunde früher in Palermo ankommen? Ich verstehe es nicht, aber genau das passiert! Um 14 Uhr rollen wir von der Fähre, zeigen bei der Polizeikontrolle brav unsere Pässe vor und fahren weiter zum Zoll. Und dort muss ich ein paarmal leer schlucken: Meine feinen, saftigen tunesischen Orangen werden beschlagnahmt! Der Zollbeamte wirft einen Blick in unseren Kühlschrank, schnappt sich die Früchte und entsorgt sie ohne mit der Wimper zu zucken im nächsten Abfalleimer. Wer hätte gedacht, dass man weder Pflanzen noch Gemüse und Früchte mitbringen darf? Wir jedenfalls nicht! Wieder was dazu gelernt!

 

 

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